Das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) hat in einer aktuellen Untersuchung eine düstere Prognose für die zukünftigen Rentner Ostdeutschlands skizziert. Während die aktuelle ostdeutsche Rentner Generation bzw. die Jahrgänge, die in den nächsten Jahren verrentet werden, mit Altersrenten zwischen 900 und 1.000 Euro noch vergleichsweise gut dastehen, werden die Geburtsjahrgänge 1962 bis 1971 bei Renteneintritt massiv weniger Altersrente zur Verfügung haben.
Nur noch 594 bzw. 466 Euro Altersrente aus Erwerbstätigkeit
Die hohe nach wie vor überdurchschnittlich Arbeitslosigkeit in den ostdeutschen Bundesländern, Teilzeitjobs und geringe Löhnen lassen die Rentenerwartung auf dann nur noch 594 Euro bei Männern und 466 Euro bei Frauen zusammenschrumpfen. Als Grund sieht das DIW allerdings auch die größere Anzahl an gering qualifizierten Personen, die einfach keine Gelegenheit haben eine Arbeitsstelle mit einer besseren Bezahlung zu finden. Auch die dauerhafte Beschäftigung der eigentlich als Einstieg in die Vollzeitarbeit gedachten in Minijobs trägt zu dem Dilemma der sinkenden Renten bei, anders als regulär Beschäftigte, werden hier Rentenbeiträge pauschal abgeführt, so dass lediglich ein verschwindend geringer Anteil tatsächlich zur Erhöhung der Altersrente beitragen kann.
Staatlich geförderte private Altersvorsorge wurde nicht berücksichtigt
Lösungen für die wachsende finanzielle Lücke haben hat auch das DIW nicht parat, allerdings weißt man bei der Veröffentlichung der Studie darauf hin, dass die im Rahmen der staatlich geförderten Altersvorsorge mögliche private Vorsorge (Riester-Rente) bei der Berechnung nicht berücksichtigt wurde. Somit könnten Minijobber und Teilzeitbeschäftigte durchaus mehr Rente beziehen, als dies in der Musterrechnung herausgearbeitet wurde. Allerdings gilt auch hier: Sie könnten, wenn sie denn früh genug und ausdauernd genug eine solche Vorsorge beginnen. Müssen muss das (noch) niemand.
Pünktlich zum letzten Quartal des Jahres wird von Versicherungen und Banken der Endspurt um die Altersvorsorge eingeläutet. Dabei gibt es traditionell fast so viele Meinungen wie Anbieter und in wechselnden Zusammensetzungen: Gute, sehr gute und manchmal auch weniger gute Altersvorsorge Produkte. Wer aus der Masse der Anbieter im zurückliegenden Zeitraum besonders gut abgeschnitten hat, das bewertet Stiftung Warentest im hauseigenen Anlegermagazin Finanztest. So weit, so bekannt.
Dass ausgerechnet die BILD Zeitung mit einem Hinweis auf eine Studie des Mannheimer Forschungsinstituts Ökonomie und Demographischer Wandel (MEA) die hier geführte Verkaufsförderung verschärft ist allerdings neu und – im Hinblick auf die Banalität der Argumentation – auch irgendwie merkwürdig. Merkwürdig auch, dass viele (wie z.B. Wirtschaftswoche, Westdeutsche Zeitung, Die ZEIT und natürlich auch wir hier) über etwas berichten, was eigentlich mehr ein Rechenexempel als eine Argumentation darstellt.
Welche Argumentation?
Wie das Mannheimer Forschungsinstitut Ökonomie und Demographischer Wandel (MEA) festgestellt hat ist im Zuge der aktuellen Finanzkrise mit steigenden Arbeitslosenzahlen zu rechnen, in deren Folge Neueinstellungen auf einem niedrigeren Gehaltsniveau durch die Unternehmen vorgenommen werden. Dadurch sinkt das durchschnittliche Gehaltniveau, was wiederum zu einer geringeren Altersrente für die späteren Rentner führt, die jetzt ihre Arbeit verlieren, später neue finden und zwischendurch keine Beiträge zur Rentenkasse und zurück in Lohn und Brot - geringere Beiträge zur Rentenkasse leisten werden, da sie potentiell schlechter bezahlt werden.
Bei so vielen „wenn’s“ und „dann’s“, die zu Auswirkungen führen können, die erst in Jahrzehnten zu spüren sind, sieht man sich von offizieller Seite genötigt an der Seriosität einer solchen Berechnung zu zweifeln. Der Kommentar folgte auch prompt durch die Deutsche Rentenversicherung Bund, die zwar die Leistung des Instituts anerkennt, die Aussagekraft der Untersuchung aber erheblich bezweifelt.
Aber, wie das in letzten Quartalen eines Jahres so ist, werden sicherlich viele Anbieter von Altersvorsorge Versicherungen und privaten Renten auf diese Analyse einsteigen um der eigenen Klientel in Vorteil zu verschaffen. Der Sozialverband VdK z.B. hat das Thema bereits für sich entdeckt und fordert schnelle Lohnerhöhungen für alle um die entstehende Rentenlücke schnell wieder zu schließen.