27.07.2009
Lohnt Riester-Rente erst ab 90 Jahren?
Über 12 Mio. Deutsche haben derzeit eine staatlich geförderte private Altersvorsorge nach dem Modell von Walter Riester abgeschlossen. Damit ist diese Form der Rentenvorsorge deutlich erfolgreicher als man es je zu träumen gewagt hätte und ruft immer mal wieder Kritiker auf den Plan. Die aktuellen Kritiker stammen aus Berlin und forschen an der Freien Universität Berlin. Dort hat man sich mit Kosten und Nutzen der Riester-Rente auseinander gesetzt und kam zu dem überraschenden Ergebnis, dass Sparer mit einem hohen Einkommen recht lange leben müssen, damit sie die eingezahlten Beiträge wieder ausbezahlt bekommen. Schuld an dieser kalkulatorischen Langlebigkeit ist die Versicherungswirtschaft, welche die durchschnittliche Lebenserwartung großzügig aufstockt und daran die eigenen Beitragskalkulationen aufhängt. Als wäre dies noch nicht Sparer feindlich genug, besteuert die Bundesregierung die Riester-Rente bei der Auszahlung und sorgt damit für ein weiteres zusammenschmelzen der Renten.
Riester-Rente wirklich lohnend für Geringverdiener
Die von der Wirtschaftswoche veröffentlichten Berechnungen sind aber nur die eine Seite der Medaille. Wer über ein vergleichsweise geringes Einkommen von z.B. 18.000 Euro pro Jahr verfügt erhält einen großzügigen staatlichen Zuschuss und kommt damit deutlich schneller an den Break-Even, also jenen Punkt an dem die eigenen Beiträge plus Erträge aus der Riester-Rente ausgeschüttet werden.
Ob man diese Form der staatlich geförderten Altersvorsorge nun für die eigene Altersvorsorge nutzen sollte oder nicht wäre ein reines Rechenexempel, wenn man seine eigenen Lebensdaten bis zum Ein- bzw. Austritt in/aus die/der Rente kennen würde. Eigener Durchschnittsverdienst, Anzahl der Kinder, ggf. Zeiten der Krankheit oder Arbeitssuche sowie Zeitpunkt des eigenen Ablebens könnten eingerechnet und zu einer Empfehlung verarbeitet werden.
Glücklicherweise gibt es immer noch Dinge, die sich nicht vorhersehen und nicht berechnen lassen, so dass das Für oder Wider zu einer Riester-Rente eigentlich eine Überlegung der allgemeinen Vermögensaufteilung ist. Ein bisschen in den Riester-Topf schadet den wenigsten und bietet die Chance auf eine verbesserte Rente. Riestern hat damit etwas von Lotto-Spielen, nur sind die Gewinnchancen einfach viel besser.