Riester-Rente lohnt sich doch

In Berlin hat das unabhängige Institut ITA (Institut für Transparenz) anlässlich des 10-jährigen Bestehen der Riester-Rente nachgerechnet und kam zu einem unerwartet Ergebnis: Die Riester-Rente erzielt einen deutlichen jährlichen Wertzuwachs und gleich selbst in den schlechtesten Fälle mindestens die Inflation aus.
Da es mehr bessere als schlechtere Fälle gibt, verzeichnet das Institut zwischen 3,22 und 5,19 Prozent jährliche Rendite für Riester-Sparer ohne Kinder und zwischen 5,44 und 7,34 Prozent pro Jahr für Riester-Rente Sparer mit Kindern.  Ein im Hinblick auf das Guthabenzins-Niveau der letzten Jahre wirklich sehr gutes Ergebnis.

Das dürfte die Kritiker an dem Konzept der Riester-Rente einen Moment innehalten und nachrechnen lassen, denn angesichts der massiven Kritik an der staatliche geförderten privaten Altersvorsorge sind derartige Ergebnisse auch für Dr. Mark Ortmann, zuständig für die Auswertung bei ITA, überraschend.

Möglich wird ein solch gutes Ergebnis durch die staatlichen Zuschüsse, die als staatliche Sparzulage zusätzlich in den Riester-Vertrag einbezahlt werden.

Von der Leyen: Riester-Rente zusätzlich zur Zuschussrente

Bundesarbeitsministerin Ursula von der Leyen (CDU) hält an den Plänen zur Zuschussrente fest und will obendrein Niedrigverdiener belohnen, die privat mit einer Riester-Rente vorgesorgt haben. Deren Leistungen bleiben erhalten und werden nicht mit der Zuschussrente verrechnet.

Absicherung durch die Zuschussrente

Die Zuschussrente wird künftig das Einkommen derjenigen Niedrigverdiener auf 850,- € aufstocken, die nicht genügend in die gesetzlichen Rentenkassen einzahlen konnten. Diese Pläne hatte Arbeitsministerin von der Leyen erstmals im Jahr 2011 formuliert. Sie gelten als wichtigster Schutz vor der Altersarmut heute berufstätiger Niedrigverdiener.

Jetzt hat die Ministerin das Paket noch einmal neu geschnürt und mit zwei wichtigen Neuerungen versehen: Zum einen wird die Zuverdienstgrenze für Rentner deutlich angehoben. Zum anderen erhalten auch diejenigen die volle Zuschussrente, die trotz der geringen Bezüge als Niedrigverdiener per Riester-Rente vorgesorgt haben.

Schon im Jahr 2013, mit Inkrafttreten der Zuschussrente, werden etwa 50.000 ehemalige Niedrigverdiener von ihr profitieren. Ihre Zahl wird bis 2030 auf rund 1,4 Millionen steigen, das geht aus jüngsten Berechnungen des Arbeitsministeriums hervor. Wenn die Niedrigverdiener 40 Jahre Mitglied in der gesetzlichen Rentenversicherung waren und 30 Jahre als Beschäftigte eingezahlt haben, erhalten sie im Bedarfsfall die Zuschussrente.

Ab sofort Riester-Rente abschließen?

Damit die Bezüge der Zuschussrente voll gewährt werden, sollen die betroffenen Rentner ab 2019 eine fünfjährige Beitragszeit für die Riester-Rente nachweisen, die praktisch 2012 spätestens abgeschlossen werden müsste. Das sind die jüngsten Pläne, die Frau von der Leyen Ende März vorstellte. Es geht dabei auch um eine Kostendämpfung, denn die Zuschussrente wird teuer. Im Jahr 2013 sind 90 Millionen Euro eingeplant, 2030 werden es schon 3,4 Milliarden sein. Das Geld kommt aus einem Beitrags- und Steuermix.

Bundesarbeitsministerin von der Leyen stellt das Konzept im April 2012 dem Kabinett vor, nachdem die benachbarten Ressorts darüber abgestimmt haben. Die FDP stellt sich bislang noch quer; sie hält das Paket für „nicht zustimmungsfähig“. Die Höhe der Beiträge von einer Milliarde Euro bis 2017 sei zu hoch, man solle nach dem Willen der Liberalen mehr Spielräume für Beitragssenkungen erhalten.

Gehaltserhöhung 2010 kann Riester Förderung kosten

Nur für den (in manchen Branchen gar nicht so) unwahrscheinlichen Fall, dass Sie in diesem Jahr mehr verdienen werden als im letzten: Denken Sie daran den Anbieter Ihrer Riester-Rente über die Gehaltserhöhung zu informieren. Warum? Nun, sobald sich Ihr Einkommen erhöht müssen Sie einen steigenden Betrag in die Riester-Rente einzahlen um weiterhin von einer anteilig gleich hohen staatlichen Riester-Förderung zu profitieren. Verdienen Sie z.B. 100 Euro mehr als im Vorjahr, so müssen Sie 4,- Euro (also 4% des Bruttoeinkommens) mehr für die Riester-Rente aufwenden, sofern Sie den förderfähigen Höchstbetrag von 2.100 Euro pro Jahr noch nicht erreicht haben. Teilen Sie die Gehaltserhöhung nicht mit, wird der also Riester-Beitrag nicht in der Höhe angepasst und Sie verlieren Ihren Anspruch auf die volle staatliche Förderung. Das klingt nach einem zu verkraftenden Verlust, ist aber ärgerlich, schließlich gewährt der Staat eine jährliche Grundzulage von 154 Euro pro Person sowie 185 Euro für Kinder die vor 2008 geboren wurden und 300 Euro je nach dem 1.1.2008 geborenen Kind. Diese Euro stehen Ihnen zu und deshalb sollten Sie die Mitteilung an Riester-Rente Fondsgesellschaft oder Versicherung jetzt schreiben und gleich abschicken 😉

DWS RiesterRente Premium gewinnt

Die Überschrift ist merkwürdig, aber wahr. Gewonnen hat die Deutsche Bank Fondsgesellschaft DWS im zweiten Quartal gleich zwei Dinge – zum einen Marktanteile, da  DWS sich 77% der fondsgebundenen Riester-Rente Neuabschlüsse sichern konnte und damit Mitbewerber wie Union Investment oder ComInvest überraschend deutlich hinter sich gelassen hat. Zum anderen gewannen die Fondsmanager absoluten Respekt für das Anlagesystem mit welchem die Altersvorsorgevermögen der Kunden verwaltet werden. Dies hat sich scheinbar deutlich besser entwickelt als der Markt und damit bewiesen wie sinnvoll antizyklisches Handeln und ein gutes Timing zu dem Thema Altersvorsorge passen.

DWS zählt mittlerweile 390.000 Riester-Rente Kunden

Diese Erfolgsgeschichte und die mittlerweile auf 390.000 Riester-Rente Kunden angewachsene Beitragszahler Schar lässt auch bei anderen Fondsgesellschaften das Interesse an einer Kooperation mit DWS wachsen. Nachdem bereits im letzten Jahr schon nicht der DWS zugehörige Investmentfonds im Sinne einer größeren Anlageauswahl mit in das Portfolio aufgenommen wurden, ist jetzt auch die niederländische Investmentgesellschaft Robeco zum Zuge gekommen und wird als neuer DWS Partner einen Anteil am Gelingen der Anlagestrategie haben.

Nur aus Begeisterung für Robeco hat sich DWS aber sicherlich nicht für die Fondsgesellschaft entschieden (schließlich haben andere Fondsgesellschaften auch gute Produkte) – eine Werbekooperation auf Kosten von Robeco soll den Absatz der DWS RiesterRente Premium weiter fördern.

Mit welchen neuen Ideen Marktführer Union Investment in den Herbst starten wird ist eine der spannendsten Fragen in diesem Zusammenhang, hatte doch die unangefochtene Nummer 1 der Deutschen Fonds-Riester-Rente im Frühling dieses Jahres eine heftige Schelte der Stiftung Warentest Anlegerzeitschrift Finanztest kassiert.

Riester-Rente Teil der Grundsicherung

Und wieder keimt die Diskussion um den Sinn einer privaten Altersvorsorge für Geringverdiener auf. Die Frage, auf die es derzeit keine wirklich Antwort gibt lautet ganz einfach: Wenn die private Rentenversicherung wie die Riester-Rente bei Angestellten oder auch Rürup-Rente bei Selbstständigen auf die Grundsicherung (auch unter dem Begriff Sozialhilfesatz bekannt) angerechnet wird, sparen diejenigen, die eine solche private Rentenvorsorge abgeschlossen haben mit ihren Rentenbeiträgen nur dafür, dass sie der Gemeinschaft später weniger „auf der Tasche liegen“?

„Ja, aber“ lautet die Antwort, die die Deutsche Rentenversicherung ebenso wie Fachleute in Universitäten und Medien immer wieder dafür finden. Tatsache ist, dass die Einkünfte aus einer privaten Zusatzrente auf das Grundeinkommen angerechnet werden, d.h. wer zusätzlich zu seiner gesetzlichen Rente eine private Rente bezieht, der hat sofern er damit über den Satz der gesetzlichen Grundsicherung kommt, keinen Anspruch auf weitere staatliche Unterstützungszahlungen. Wer trotz zweier Renten oder aus seiner einen Rürup-Rente weniger Altersruhegeld bezieht als die dann aktuelle Grundsicherung verspricht, bekommt einen Aufschlag aus der staatlichen Sozialkasse. Was auch bedeutet: Wer jetzt gar keine Rentenversicherung besitzt, der wird später dennoch mit Grundsicherung bedacht, was dem Grundkonzept unserer Gesellschaft „niemand muss verhungern“ entspricht. 

Grundsicherung bekommt auch wer keine Rentenbeiträge gezahlt hat

Dieses Grundkonzept ist logisch und notwendig, verärgert aber diejenigen, die sich mühsam jeden Monat ein paar Euro für die Rente zurücklegen, jetzt weniger zum Leben haben und später das gleiche besitzen wie jemand der sich um Nichts gekümmert hat und trotzdem Geld bekommt. 

Dennoch müssen die Antworten auf diese Fragen heute wage und im Ungefähren bleiben. Wer weiß ob in 30 Jahren noch eine Grundsicherung existiert und – wenn – in welcher Höhe diese tatsächlich für diejenigen aufkommt, die keine Zahlungen in eine Rentenkasse geleistet haben. Heute darüber zu urteilen was die Zukunft vielleicht bringen mag ist aus Sicht der Betroffenen logisch, aber nicht unbedingt sinnvoll – schon aus diesem Grund lohnt die finanzielle Anstrengung einer privaten Vorsorge mit z.B. einer Fonds-Rente, wer weiss welche Zeiten noch auf die Gesellschaft, Wirtschaft und spätere Rentner zukommen werden und vor allem an welchem Ort die eigene Rente ausgegeben werden soll. Dies können Inhaber einer selbst erarbeiteten (ersparten privaten) Rente nämlich in jedem Fall selbst entscheiden.