Monatsarchiv für Oktober 2009

Wie in jedem Jahr, so schallt auch in diesem Jahr der Aufruf durch die Medien: Lassen Sie Ihre Riester Renten Zulage nicht verfallen! Der Hinweis ist berechtigt, haben doch vor allem Riester Sparer der ersten Jahre nicht den Komfort des Dauerzulagenantrag genossen und müssen dementsprechend in jedem Jahr wieder einen Zulagenantrag ausfüllen.

Nach Berechnungen der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg vergeben viele der mittlerweile rund 12 Mio. Riester-Rente Kunden die Chance die 154 Euro staatliche Förderung mittels des Antrags bei der Zulagenstelle einzufordern. Ohne die staatliche Zulage, so heisst es auch, sei die Riester-Rente unattraktiv und lohne sich nicht.

So drastisch, wie es von Seiten der Verbraucherzentrale verkündet wird, sollte die Lage aber auch nicht eingeschätzt werden, aus verschiedenen Gründen kann es durchaus möglich sein, dass Sparer in einem Jahr keine Zulage erhalten (keine Einzahlungen = keine Zulage), was z.B. dann der Fall ist, wenn aufgrund einer beruflichen Pause (Sabbactical, Babypause, Vertrag pausiert) keine Einzahlungen in die Riester-Rente vorgenommen wurden.

Grundsätzlich lohnt eine Sparvorsorge allerdings in jedem Fall, egal ob Riester-, Rürup-Rente oder klassischer Bank- oder Fondssparplan, ein bisschen was auf der „Hohen Kante“ schadet selten.

Pünktlich zum letzten Quartal des Jahres wird von Versicherungen und Banken der Endspurt um die Altersvorsorge eingeläutet. Dabei gibt es traditionell fast so viele Meinungen wie Anbieter und in wechselnden Zusammensetzungen: Gute, sehr gute und manchmal auch weniger gute Altersvorsorge Produkte. Wer aus der Masse der Anbieter im zurückliegenden Zeitraum besonders gut abgeschnitten hat, das bewertet Stiftung Warentest im hauseigenen Anlegermagazin Finanztest. So weit, so bekannt.

Dass ausgerechnet die BILD Zeitung mit einem Hinweis auf eine Studie des Mannheimer Forschungsinstituts Ökonomie und Demographischer Wandel (MEA) die hier geführte Verkaufsförderung verschärft ist allerdings neu und – im Hinblick auf die Banalität der Argumentation – auch irgendwie merkwürdig. Merkwürdig auch, dass viele (wie z.B. Wirtschaftswoche, Westdeutsche Zeitung, Die ZEIT und natürlich auch wir hier) über etwas berichten, was eigentlich mehr ein Rechenexempel als eine Argumentation darstellt.

Welche Argumentation?

Wie das Mannheimer Forschungsinstitut Ökonomie und Demographischer Wandel (MEA) festgestellt hat ist im Zuge der aktuellen Finanzkrise mit steigenden Arbeitslosenzahlen zu rechnen, in deren Folge Neueinstellungen auf einem niedrigeren Gehaltsniveau durch die Unternehmen vorgenommen werden. Dadurch sinkt das durchschnittliche Gehaltniveau, was wiederum zu einer geringeren Altersrente für die späteren Rentner führt, die jetzt ihre Arbeit verlieren, später neue finden und zwischendurch keine Beiträge zur Rentenkasse und zurück in Lohn und Brot - geringere Beiträge zur Rentenkasse leisten werden, da sie potentiell schlechter bezahlt werden.

Bei so vielen „wenn’s“ und „dann’s“, die zu Auswirkungen führen können, die erst in Jahrzehnten zu spüren sind, sieht man sich von offizieller Seite genötigt an der Seriosität einer solchen Berechnung zu zweifeln. Der Kommentar folgte auch prompt durch die Deutsche Rentenversicherung Bund, die zwar die Leistung des Instituts anerkennt, die Aussagekraft der Untersuchung aber erheblich bezweifelt.

Aber, wie das in letzten Quartalen eines Jahres so ist, werden sicherlich viele Anbieter von Altersvorsorge Versicherungen und privaten Renten auf diese Analyse einsteigen um der eigenen Klientel in Vorteil zu verschaffen. Der Sozialverband VdK z.B. hat das Thema bereits für sich entdeckt und fordert schnelle Lohnerhöhungen für alle um die entstehende Rentenlücke schnell wieder zu schließen.