Monatsarchiv für Juni 2009

 

Dass die Deutschen nicht unbedingt als Liebhaber risikobehafteter Geldanlagen gelten ist vermutlich hinreichend bekannt. Dass aber auch das Wissen um die Tatsache welche Geldanlagen risikoreich sind und welche nicht immer weiter verloren geht ist schon fast tragisch. Seit Monaten beschäftigen sich nahezu alle Medien mit der Finanz-, der Banken- und Wirtschaftskrise und kaum ein Privatanleger scheint zu erahnen welche Auswirkungen dies auf ihn und seine Geldanlage hat.

Eine im jährlichen Rhythmus durchgeführte Umfrage der Fondsgesellschaft Axa hat das allgemeine Unwissen in diesen Tagen wieder in Zahlen gefasst. So wussten weniger als die Hälfte der Befragten, dass Investmentfonds täglich handelbar sind (die Unterstellung, dass hier vor allem geschlossene Fonds Anleger und Inhaber der derzeit geschlossenen offenen Immobilienfonds befragt wurden ist nicht zulässig). Gar 62 Prozent der Befragten konnten glaubhaft versichern, dass bei einer Insolvenz der Fondsgesellschaft auch das eigene Fondsvermögen verloren geht – was zum Einen grundsätzlich falsch ist und zum Anderen eines der Hauptargumente für die Sicherheit und Streitigkeit von Fondsanlagen darstellt. Es ist also anzunehmen, dass der Bankberater diese positiven Aspekte einstmals in einem Gespräch erwähnte, festgesetzt hat sich diese Information aber leider bei den wenigsten der nur noch 18 Prozent aller Deutschen, die in Investmentfonds investieren.

Trotz allem mangelt es meisten Anleger nicht an Selbstvertrauen – Understatement gehört zumindest bei der Geldanlage nicht zu den Deutschen Tugenden, wie sonst könnten sich 47 Prozent der Deutschen für Experten auf diesem Gebiet halten?

Finanzkrise hin, Wirtschaftskrise her, die die Riester-Rente erfreut sich einer ungebrochenen Beliebtheit. Mittlerweile 12,4 Mio. Deutsche haben sich für diese Form der privaten Altersvorsorge entschieden und werden damit für das eigene Alter zusätzlich zu der gesetzlichen Rente, finanziell vorsorgen. Ob und wann die weiteren etwa 15 Mio. Riester-Rente berechtigten auch für eine solche Vorsorge zu begeistern sein wird ist unklar, klar ist aber, dass die Wirtschaftskrise keinen Nachfrageeinbruch bei dieser Form der staatlich geförderten Altersvorsorge bewirkt hat.

Mit 260.000 neuen Riester-Rente Kunden steigert die Versicherungswirtschaft die Anzahl der Kunden zum ersten Quartal des Jahres auf 12,4 Mio. Im gleichen Zug steigen auch die staatlichen Zulagen auf einen neuen Rekordwert von 1,6 Mrd. Euro an. Dass private Vorsorge absolut notwendig ist, scheint unbestritten. Ob diese Vorsorge aber ausgerechnet durch eine Riester-Rente gedeckt werden muss, oder ob sich vielleicht andere Vorsorgewege wie Lebensversicherung, Bausparplan, Wohneigentum oder Wohn-Riester besser eignen ist eine Frage, die jeder mit sich und ggf. seinem Berater zu beantworten hat.

Klar scheint allerdings, dass das Konzept der Riester-Rente aus den Kinderschuhen erwachsen ist und zu einem Siegeszug angesetzt hat, den vor wenigen Jahren niemand für möglich gehalten hätte, niemand aus vielleicht seinem Namenspaten, Walter Riester.